Mi
06
Jul
2011
Die Katholische Kirche mit samt ihrem Oberhaupt Papst Benedikt XVI. wird durch den Missbrauchsskandal in Deutschland in die Ecke gedrängt. Bischöfe müssen sich verteidigen. Das ganze System der
Kirche wird kritisch hinterfragt. Da wir im Zeitalter der so genannten Islamkritik leben, blicken nicht nur viele Katholiken ängstlich auf die Entwicklung der Debatte. Vor dem Hintergrund dieser
Vorfälle schwebt bei manch anderem schon seit längerem ein bedrohlicher Gedanke wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen. In einem Kommentar der Berliner Zeitung vom Samstag, 6. März wurde
dieser Gedanke in Worte gefasst „Hätte es systematische sexuelle Missbräuche in Moscheen gegeben, und wären sie von Scharia-Richtern vertuscht worden - was wäre die erwartbare Folge? Längst
würde das Verbot des Islams, mindestens die Schließung der Moscheen diskutiert.“
O ja, mag der eine oder andere sorgenvoll gedacht haben, Gott sei Dank, trifft dieser Skandal nicht auch noch die islamische Gemeinschaft, die hat bekanntlich genug mit Terroristen,
Fundamentalisten, Islamisten, Ehrenmorden, Bildungsdefiziten etc. zu tun. Bislang gibt es keine Hinweise auf, oder gar Beweise für, eine ungewöhnliche Häufung solcher Fälle unter Muslimen (ebenso
wie unter Protestanten, Hindus, Juden, Buddhisten etc.).
Wer aber geglaubt hatte, damit sei die Sache erledigt, der sieht sich bereits getäuscht. Wie gesagt, wir leben im Zeitalter der so genannten Islamkritik. Wenn es keine Beweise gibt, werden halt
einfach Spekulationen in den Raum gestellt – dankbare Abnehmer selbst für krude Theorien finden sich immer (u.a. hier) http://www.theeuropean.de/241-necla-kelek/2611-im-gespraech-mit-necla-kelek;
http://www.welt.de/politik/deutschland/article6744559/Kelek-vermutet-Missbrauch-in-Moscheen.html). Dass dies ein Spiel mit dem Feuer ist, dürfte jedem vernünftigen Menschen klar sein. Aber es
zeigt einmal mehr, welche Methoden die so genannten Islamkritiker und ihre Förderer benutzen, um zu Lasten der legitimen Religionskritik ihre persönlichen Ziele zu erreichen oder persönliche
Traumata zu verarbeiten.
***ältere Kommentare***
David B. sagt:
16. März 2010 um 23:44
So sehr ich die Bedenken und Sorgen teile, möchte ich auf einen anderen Aspekt hinweisen, der inzwischen auch in den Medien deutlich wird: Es geht hier um ein Phänomen, das
beileibe nicht nur (aber auch!) Kirchen und (vielleicht) andere Religionsgemeinschaften betrifft. Betroffen sind aber letztlich alle Einrichtungen bzw. Personen, denen Eltern ihre Kinder
anvertrauen (und in denen Missbrauch - gottlob - eine Ausnahme und nicht die Regel darstellt!) . Der Fall “Odenwaldschule” zeigt das ja deutlich - dort trifft es den gesamten Bereich der
Reformpädagogik, die nun unter Generalverdacht gerät. Leider viel zu wenige Medienvertreter weisen auf diese notwendige Differenzierung hin.
Mir geht es nicht darum, etwas schön zu reden, sondern im Gegenteil um eine konstruktive Debatte, die allen Beteiligten und Betroffenen hilft, Schuld und erfahrenes Leid zu
benennen und aufzuarbeiten. Ein Generalverdacht gegen Kirchen, Religionen und Reformpädagogen nützt niemandem (außer einzelnen Gruppen, welche die Debatte für eigene Zwecke ausschlachten),
sondern verdrängt, welche wertvolle Arbeit in diesen Bereichen für unsere Gesellschaft getan wurde und getan wird. Wir können schließlich auch nicht alle Väter, Großväter usw. unter
Generalverdacht stellen, obwohl nachweislich über 25% der Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der eigenen Familie geschehen (vgl. die offizielle Statistik unter:
http://www.polizei-beratung.de/presse/downloads/infografiken/index/content_socket/infografiken/display/199 - demnach lag bei 25% der angezeigten Fälle ein
Verwandtschaftsverhältnis vor, wobei die Dunkelziffer deutlich höher eingeschätzt wird).
Andererseits denke ich, dass islamische Gruppierungen derartigen Äußerungen nach außen sachlich und nüchtern begegnen sollten und nach innen die Angelegenheit ebenso ernst
nehmen müssen, wie alle anderen Einrichtungen auch, in denen Kinder in die Obhut von Erwachsenen gegeben werden. Gerade Religionsgemeinschaften werden nun deshalb so scharf angegriffen, weil an
man an sie hohe moralische Maßstäbe anlegt. Diesen zu entsprechen, sollte ihnen ein gemeinsames Anliegen sein, da es - wie wir sehen - am Ende doch wieder auf alle zurückfällt.
Fontaine sagt:
17. März 2010 um 01:13
@David B.
Stimme Dir voll und ganz zu. Guter Kommentar. Ich finde es allerdings pervers, wenn jemand allein auf Grund von Spekualtionen so etwas in den Raum stellt. Und das ist hier echt
offensichtlich. Das ist unveranwortlich, ekelhaft. Ich bin echt geschockt. Die ganze Sache ist doch kein Spiel… Denkt denn niemand an die Opfer? Wie kann man deren Schicksal so schamlos
missbrauchen, um seine eigene blöde Ideologie zu verbreiten - ob die nun darin besteht, auf Moslems draufzuhauen, oder auf was auch immer.
nils sagt:
10. April 2010 um 23:25
sehr schön super artikel, genau so isses und kelek arbeitet wie immer mit vermuten behauptungen unsinn das ist ihr beruf