Mi
06
Jul
2011
Ich lese im Moment in dem Buch “Feindbilder. Ideologien und visuelle Strategien der Kulturen”, hrsg. von Lydia Haustein, Bernd M. Scherer und Martin Hager:
Der amerikanische Autor Paul Theroux begegnete auf Sardinien dort lebenden Afrikanern, die kein Wort Italienisch sprachen und war schockiert:
“Eine Sprache zu lernen, ist leicht. Kinder können es. Sie lernen, indem man zu ihnen spricht. Wenn diese Leute die Sprache nicht sprachen, nach all den Jahren, dann bedeutet es auch, das niemand
mit ihnen gesprochen hatte.”
***ältere Kommentare***
kornpicker sagt:
30. Mai 2010 um 17:13
Ja, ist das nicht traurig? Vermutlich liegt das aber an beiden Seiten: Die einheimischen wollen nicht mit den Fremden reden und die Fremden bleiben lieber unter sich. Wenn
keiner die Initiative ergreift, kann da auch nichts passieren. Mir stellt sich nun die rhetorische Frage, wer hier in der Pflicht ist, sich für den anderen zu interessieren. Sicher beide, denn
Integration ist keine Einbahnstraße.
Die Deutschen sind hier sicher nicht wesentlich anders als die Italiener. Warum haben Menschen Schwierigkeiten, auf andere Menschen zuzugehen? Merkwürdigerweise habe ich
persönlich ganz andere Erfahrungen gemacht. In der Zeit als ich in Indonesien unterwegs war, bin ich sehr oft von neugierigen Einheimischen angesprochen und in Gespräche verwickelt worden, trotz
der damals rudimentären Verständigungsmöglichkeit. Diese habe ich aber schnellstmöglich durch das Erlernen der Sprache verbessern können. Wenn man - und damit meine ich beide Seiten - ein wenig
Motivation mitbringt, sich für den anderen zu interessieren, dann wäre Integration wirklich kein Problem.
Warum tut man sich in Europa nur so schwer damit?
Qalbi sagt:
1. Juni 2010 um 13:12
Schönes Zitat.
@kornpicker
Richtig. Das gilt für beide Seiten. Problematisch ist es aber nur, wenn eine Seite eher wenig Bildung mitbringt. Wenn ich es recht sehe, sind viele Einwanderer damals nach
Deutschland gekommen, um hier einfache Tätigkeiten zu verrichten - vermutlich ähnlich wie bei den oben beschriebenen Afrikanern auf Sardinien. Diesen Leuten dürfte es - ohne zu verallgemeinern -
ziemlich schwer fallen, eine fremde Sprache zu lernen. Dann ist es mit der Frage nach dem ersten Schritt wiederum eindeutige. Ich finde, der Stärker muss dem Schwächeren die Hand reichen.
Du selbst gehörst vermutlich zur Bildungsschicht. Sprichst wahrscheinlich gleich mehrere Sprachen. Für dich ist es einfacher, eine andere Fremdsprche zu lernen.
Außerdem dürftest Du - ich nehme mal an Du bist Deutscher - an dem Ort in Indonesien, wo Du unterwegse warst, etwas besonderes gewesen sein. Jedenfalls leben dort vermutlich
nur eine handvoll Deutsche. Wenn dort viele Deutsche leben würden, sagen wir mal vergleichsweise viele Deutsche wie hier Türken, dann hätte sich das Interesse der Einheimischen an Dir vermutlich
in Grenzen gehalten
Nu sagt:
9. Juni 2010 um 15:52
Salam Alikum . ich beziehe mich auf Ihr Artikel in der Zeitung . Was meinenSie bitte schön damit dass jeder den KORAN interpretieren darf !!! so bastelt sich jeder seinen
eihenen Islam seinen eigenen Koran !!!!!! ISLAM KORAN nimmt ganz oder lässt man ganz . es gib keine halben Sachen schwester .. Schukran und viel Erfolg
mayarosa sagt:
14. Juni 2010 um 20:34
Hallo,
ich habe vor längerer Zeit, als mal wieder das Integrationsthema durch die Medien ging, einen interessanten Artikel in der Zeit gelesen. Soweit ich mich erinnere, war es ein
ausführliches Dossier. Darin wurde festgestellt, dass sowohl Migranten italienischer wie türkischer Herkunft auffallend häufig schlecht “integriert” sind (betrachten wir Integration jetzt mal als
Teilhabe am Arbeits- und gesellschaftlichen Leben, also: Sprache, Bildung, Job etc.) während Migranten spanischer Herkunft signifikant weniger Probleme haben.
Im Fall der Italiener kann man wohl kaum den religiösen Hintergrund verantwortlich machen. Die sind katholisch. Interessant war der Aspekt, dass die Spanier schon in er ersten
Einwanderergeneration sich intensiv bemüht haben, deutsch zu lernen. Während die Italiener häufig die Hälfte des Jahres in Deutschland, die andere Hälfte in Italien verbrachten (oder
verbringen?). In dem Artikel wurde das alles auch genauer begründet und analysiert. Daran erinnere ich mich leider nicht mehr.
Ich bin für Kindergartenpflicht ab drei Jahre und für Ganztagsschulen, für einen vernünftigen Betreuungsschlüssel bzw. eine entsprechende monetäre Ausstattung, damit auch gute
Qualität geboten werden kann. Kindergeld kann man dann getrost streichen. Denn in einer Ganztagsschule können alle Kinder gefördert werden.
Es gibt viele Migranten, die wunderbar integriert sind, Sie, Frau Kaddar oder Cem Özdemir sind nur zwei prominente Beispiele. Sie sprechen akzentfreies Deutsch (na gut, Herr
Özedemir spricht schwäbisch), haben eine gute Schul- und Berufsbildung … und der Rest klappt dann auch. Eines der größten Hindernisse vieler Migranten, die am Rand stehen, ist die mangelnde
Bildung, häufig verursacht durch mangelnde Deutschkenntnisse. (Das betrifft auch etliche Deutsche, der Analphabetismus in Deutschland nimmt zu!).
Wenn ich in Spanien, der Türkei oder anderswo ein Leben aufbauen möchte, werde ich von der Mehrheitsgesellschaft mit meiner ganzen Intelligenz und Persönlichkeit eben nur wahr-
und ernstgenommen, wenn ich mich auf angemessenem Niveau verständigen kann und die kulturellen Gegebenheiten ein Stück weit mitmache. Da ticken die Menschen kulturübergreifend sehr ähnlich.
Mir wäre es lieb, das Thema “Integration” mal vom Thema “Religion” abzukoppeln. Und ich wäre sehr dafür, entweder alle im größeren Maß vertretenen Glaubensrichtungen zu
unterrichen oder einen religionsübergreifenden Unterricht anzubieten.
mayarosa
Yalisa sagt:
24. Juni 2010 um 09:49
@ Nu. Wir dürfen nicht, wir müssen den Koran selbst interpretieren. Natürlich sollten wir dazu Rat bei den Gelehrten einholen, aber letztendlich wird sich jeder von uns allein
vor Allah verantworten müssen. Willst Du dann sagen: ” Ich habe falsch gehandelt, weil Imam XYZ es mir gesagt hat?” Mir ist das zu wenig. Ich vertraue auf Allahs Rechtleitung. Dafür bete
ich.
@Qalbi Das Erlernen von Sprache hat nichts mit Bildung zu tun. Viele Afrikaner sprechen auch in ihrer Heimat mehrere Sprachen, weil oft mehrere Ethnien auf engem Raum
zusammenleben.
Meine Frage ist, ob sich schon einmal irgendjemand ernsthaft mit den Ursachen auseinander gesetzt hat. Dazu darf man aber nicht nur hoch wissenschaftlich über, sondern muß Auge
in Auge mit den betroffenen Menschen sprechen und dann auch entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Tatsache ist, dass es jahrzehntelang Allen egal war und jetzt ist es plötzlich DAS Problem.
Qalbi sagt:
25. Juni 2010 um 01:00
@Yalisa
Das Erlernen von Sprachen hat sehr wohl etwas mit Bildung zu tun - jedenfalls dann, wenn es in einem höheren Alter geschehen soll. Nur bei Kleinkindern hat es nichts mit
Bildung zu tun. Bei den Menschen, von denen wir hier sprechen, ob Afrikaner auf Sardinien oder Einwanderer in Deutschland, handelt es nicht um Kleinkinder. Wenn also ein junger Erwachsener mit
Hochschulabschluss in ein fremdes Land kommt, dann wird er die dortige Sprache besser lernen, als eine Hausfrau, die nicht lesen und schreiben kann…
…wir gehen mal davon aus, dass es niemand geben wird, der sich rund um die Uhr damit beschäftigt, mit ihm zu sprechen und ihm die Sprache beizubringen. Wenn wir diese Situation
gegeben hätten, dann könnte man vielleicht übereinkommen, dass es in diesem Fall auch bei älteren Personen nicht oder zumindest nur wenig mit dem Grad an Bildung zu tun hat.